Perspektivenwechsel

3 Dinge, die ich durch Schach gelernt habe

Das Schachspiel trat eher zufällig in mein Leben. Mit 15 Jahren begann ich, an dem alten Schachbrett meines Opas einige Schachpartien gegen meine Freunde zu spielen und mir selbst die Regeln im Internet oder durch Bücher anzueignen. Schon früh faszinierten mich die fast unendlichen Möglichkeiten, die sich während einer Schachpartie boten. Es ist unglaublich, wie viele verschiedene Optionen es gibt, die Schachfiguren auf dem Brett anzuordnen. Es ist fast ausgeschlossen, dieselbe Partie zweimal zu spielen. Es wurde sogar berechnet, dass es mehr verschiedene Schachpositionen gibt, als Atome im Universum existieren. Doch wer kann sich schon alle Atome im Universum vorstellen? Ein Holzbrett mit 64 Feldern und 32 Figuren, das ist viel greifbarer! Somit ermöglicht das Schachspiel dem Betrachtenden etwas darzustellen, was eigentlich für unser Gehirn unbegreiflich scheint.

Schach ist eine eigene Welt

Schach stellt für mich eine ganz eigene Welt dar, in der es Regeln gibt, Ziele, Möglichkeiten seine Fantasie einzusetzen, kreativ zu sein und vieles mehr. Je mehr ich mich in meiner Jugend mit diesem Spiel auseinandersetzte, desto mehr begann ich die Komplexität des Spieles zu begreifen. So spielte ich immer wieder Schach gegen Freunde und Bekannte und entdeckte dabei, dass Schach auch viele Parallelen zu meinem Alltag bildete. Ich gewann zum Beispiel die Erkenntnis, dass der nächste Zug im Schach vergleichbar mit einer nächsten Handlung im echten Leben ist. Beide haben Konsequenzen zur Folge, für die ich verantwortlich bin.

Schach verbindet Menschen

Wusstest du, dass Schach eines der ältesten Spiele der Welt ist, welches zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert in Indien oder Persien entstanden sein muss? Spätestens seit dem 13. Jahrhundert ist Schach auch in Europa sehr populär. In den letzten Jahren rückt das Spiel immer mehr in den Fokus von Schulen und pädagogischen Einrichtungen, da in verschiedenen Studien mittlerweile viele positive Aspekte des Schachspielens herausgestellt wurden.

Mittlerweile bringe ich anderen Menschen Schach von meiner Perspektive aus bei und habe somit mein Hobby zum Beruf gemacht. Dabei stelle ich immer wieder fest: Schach verbindet Menschen, fördert eigenverantwortliches Handeln und dient als Übungsfeld für Herausforderungen im Alltag.

Schach baut Grenzen ab

Nachdem ich vorrangig in meiner Jugend mit Freunden und Bekannten gespielt habe, suchte ich nach einiger Zeit auch die Herausforderung, gegen unbekannte Personen zu spielen. Bald stieß ich dabei auf andere Schachspieler_Innen, die in öffentlichen Parks gegeneinander spielten. Diese Menschen waren mir völlig fremd und kamen teilweise aus ganz anderen Lebenswelten. Manche waren Akademiker_Innen, manche junge Studierende wie ich, andere wiederum Arbeitende oder Schüler_Innen.

Sobald das Spiel aber begann, waren Spieler_Innen und Gegenspieler_Innen gleich. Jeder hatte dieselbe Chance, zu gewinnen – ganz unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozialem Status oder ihrer Bildung. So konnte ich Kontakte zu Menschen knüpfen, die mich  höchstwahrscheinlich unter anderen Bedingungen gar nicht wahrgenommen hätten. Nachdem ich eine Schachpartie gegen jemanden gewann oder eine Gegner_In zu einem spannenden Kampf herausgefordert hatte, diskutierten wir danach die Züge und konnten uns austauschen. Ich lernte, dass Schach ein Spiel ist, das Grenzen zwischen Personen abbaut und bei dem die eigene Leistung zählt und nicht die anderen Rahmenbedingungen.

Schach fördert eigenverantwortliches Handeln

Wer gute Leistungen erbringt, wird oft von anderen bewundert oder bekommt dadurch Unterstützung. Dies ist keineswegs ein Phänomen, das nur bei Schach zu beobachten ist, sondern auch bei den meisten Sportarten. Der Unterschied zu den anderen Sportarten ist allerdings: Schach führt wiederum sehr deutlich dem Spielenden vor Augen, dass er die Verantwortung für sein eigenes Handeln trägt. In einer Schachpartie dreht es sich viel darum, Entscheidungen zu treffen oder Strategien zu entwickeln. Ganz zentral hierbei ist die eigene Verantwortung für den letzten Zug, beziehungsweise für die letzten Züge. Ich selber habe schon viele Schachpartien verloren, weil ich mich nicht ausreichend konzentriert habe oder weil ich meine Fähigkeiten über- oder unterschätzt habe. Letztendlich konnte ich mir aber immer sicher sein, das nur ich die Verantwortung für meine Entscheidungen zu tragen habe. Dabei habe ich gelernt, mir meiner eigenen Fehler bewusst zu werden, darüber zu reflektieren und sie bei der nächsten Partie zu vermeiden.

Schach als Übungsfeld für alltägliche Herausforderungen

In meiner jetzigen Arbeit als Schachlehrer für Kinder und Jugendliche versuche ich nicht nur das Schachspiel und die dazugehörigen Regeln zu vermitteln, sondern auch die alltagsbezogenen Aspekte des Spieles darzustellen und zu erläutern. Im pädagogischen Kontext ist es mir besonders wichtig, dass die Kompetenzen spielerisch und mit Freude erworben werden, da positive Emotionen das Lernen begünstigen. Ich bin der Meinung, das Schach ein tolles Werkzeug ist, das mit vielen Situationen im Alltag verglichen werden kann und dem ein oder der anderen eine Hilfestellung in herausfordernden Situationen bietet. Im Verlauf einer Schachpartie verliert man normalerweise einige Figuren oder sogar den König. In einem geschützten Rahmen können die Kinder und Jugendlichen so beispielsweise lernen, mit Verlust oder Niederlagen umzugehen und diese Erfahrungen spielerisch zu verarbeiten.

Ich hoffe, dass ich meine Faszination für Schach mit dir teilen konnte und freue mich, wenn der eine oder andere Lust bekommen hat, mal wieder eine Runde Schach zu spielen.

Wenn ich deine Neugierde auf Schach wecken konnte, besuch doch mal meine Internetseite. Ich bin in München und Umgebung tätig und freue mich auch immer auf neue SchachspielerInnen!

Meine Internetseite: www.schachdino.de

Meine E-Mail-Adresse: info@schachdino.de

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