Regelschule Von Eltern für Eltern

Ein kleine, wahre, persönliche Begebenheit

Für all diejenigen, die immer wieder kurz davor sind, ihre Kinder von der Regelschule an einer privaten/ freien Schule anzumelden – für all diejenigen, die unzählige Gespräche mit Lehrkräften geführt haben, um Vertrauen zu säen und für gegenseitiges Verständnis zu werben – für all diejenigen, die immer wieder vor Rektoren saßen, flankiert von mehreren Lehrkräften und sich ohnmächtig gefühlt haben vor einer Integritätsverletzenden Definitionsmacht – für all diejenigen, die seit Jahren mit Expartnern um Balance ringen, die ein absolut gegenteiliges, althergebrachtes Verständnis von Schule und Lernen haben und einem immer wieder entgegenschleudern, man setze nicht genug Grenzen und lasse dem Kind zu viel durch – für all diejenigen, die immer wieder Angst davor haben, ob ihr Kind am nächsten Tag ohne Drama in die Schule geht, und die sich manchmal einfach vom Herzen heraus dafür entschieden haben, ihr Kind zuhause, entspannen und zu sich kommen zu lassen – für all diejenigen, die gerade im größten Drama Vertrauen in sich selbst und ihr wunderbares HerzensKind hatten und gefühlt haben, wir gehen Schritt für Schritt weiter, alles wird gut, wir stärken unsere Beziehung, wir fokussieren, was gut läuft, wir tanzen mit dem System, aber wir werden uns niemals unterordnen – für all diejenigen, die nur einige, wenige Menschen in ihrem persönlichen Netzwerk haben, denen sie das Unsagbare, das Ungerechte, das Menschenunwürdige, das Wütend machende, was an Schulen manchmal passiert, erzählen können, um sich wieder aufzubauen – für all diejenigen, denen die Werte Jesper Juuls, denen Mathias Voelchert und familylab – die Familienwerkstatt, denen Andreas Reinke, Lehrer und familylab-Seminarleiter immer wieder wie Fixsterne geleuchtet haben, soviel Mut gemacht und Kraft gegeben haben – und für alle, die es gerne lesen wollen,…

… hier mein heutiges Highlight:

Mein Sohn (12 Jahre alt, 6. Klasse, Realschule) hat mich heute Abend ganz unvermittelt umarmt und einen kleinen Satz gesagt, der mich tief bewegt, angerührt und mich so unglaublich herzerleichtert hat und den ich wie ein kleines Geschenk in mein Herz und meine Seele einpflanzen werde, für dann, wenn ich es mal wieder brauche; es war nur ein Moment, aber der hat mich so gefreut und glücklich gemacht, für mich, für ihn und für unseren Weg. Er sagte:

„ Mama, heute war der allerbeste Tag, den ich je hatte in der Schule. Es hat einfach Spaß gemacht!“

Das ging so tief in mein Herz, sag ich euch, ein tiefer, unhörbarer Seufzer der Freude, Erleichterung und Bestätigung durch mich durch…Keine Erklärung, was genau Spaß gemacht hat oder mit wem er den vielleicht hatte, das war nicht maßgeblich, maßgeblich war, er hat es so gefühlt und abgespeichert!!!
Dazu muss man wissen, mein Sohn hat bereits bevor er in die Schule kam geäußert: „Mama, ich will nie in die Schule! Sieh mal, da sitzt man da, man muss nur lesen und schreiben, und man kann gar nichts machen. Dann geht man raus und denkt, es ist fertig, aber dann muss man wieder rein. Ich wünschte, ich könnte endlich meine Schultüte fertig basteln, damit ich ganz schnell in die Schule kann, damit es früher vorbei ist!“ Nach dieser Äußerung war klar, ein Jahr zurückstellen lassen, ein Jahr lang Waldorfkita mit dem Wunsch, ihn dann an der ortsansässigen Waldorfschule einzuschulen (Anekdote aus dem Waldorf-Kindergarten: „Mama, die Kinder, die mit mir kicken wollten, standen nur ´rum wie angesteinert!“ 😉 Dort wollte man unbedingt ein psychologisches Gutachten von uns, bei dem dann doch bitte ADHS als Ergebnis hätte rauskommen sollen, damit er dann die sog. A-Klasse (Förderklasse) gekommen wäre. Ein wunderbarer, professioneller Kunst- und Heiltherapeut im Janusz-Korczak-Institut, Nürtingen hat ihnen den Gefallen nicht getan. Mein Sohn ist in einem anthroposophischen Krankenhaus geboren (und zwar andersrum, also dem Popo zuerst), die Waldorfpädagogik hat mich sehr angesprochen und tut es immer noch, und für mich war bis dahin klar, dort wird Andersartigkeit wertgeschätzt. Zu diesem Zeitpunkt haben wir davon nicht viel gespürt und haben uns dann dagegen entschieden. Also Grundschule, Regelschule.

Mein Kind ist ein Nein-Sager…

… mit riesigem Herzen, ein Störer, einer, der den Mund aufmacht, wenn er Ungerechtigkeit spürt und aufdecken will, der sich bewegen will, körperlich und gedanklich, der für alles viel Zeit benötigt zur Verarbeitung, der Regeln hinterfragt und Erwachsenen nur dann Respekt erweist, wenn diese freundlich zu ihm sind, also ein Kind, was den reibungslosen Ablauf einer Schule stört und das Rollenbild des Lehrers infrage stellt. Also hieß es in der vierten Klasse: „Mama, Schule ist nichts anderes als Freiheitsverderbung und Kinderschändung!“ Dann haben wir, seine Eltern, sich getrennt, und er ist im gleichen Jahr in die weiterführende Schule gekommen, wo existentielle Probleme (egal, ob die von Kindern oder Lehrkräften) nicht in den Alltag eingebunden werden, die gehören nicht in die Schule.

Also wieder, Trennungsschmerz verarbeiten, unterschiedliche Meinungen von Mama und Papa, Nachhilfe, neue Kinder, neue Räumlichkeiten, neue Lehrkräfte, Trainingsraum, Strafarbeiten, Einträge, Nachsitzen, Integritätsverletzendes, übergriffiges Verhalten von Lehrkräften, die Fünftklässlern mit der Polizei drohen und Schulbänke wuchten und lautstark von sich geben, solche Schüler wie dich wollen wir nicht an der Schule haben, Strafarbeiten, von Lehrkräften einfach heruntergeladen vom Strafarbeitenportal (!!!), ohne dabei selbst zu spüren, dass sie damit das Selbstwertgefühl des Kindes zerstören, die ich ihn deshalb habe nicht schreiben lassen (http://nmsstpoelten-koerner3.ac.at/…/im…/pdf/stoerentext.pdf), dann vorsprechen musste im Rektorat und mir gesagt wurde, ich habe ein besonderes Kind und ich solle mir überlegen, ob es hier gut aufgehoben sei, sonderpädagogischer Dienst, Rektoratsnachsitzen, Schullandheimverbot, dann durfte er doch mit, hin und her, rauf und runter, aber er wollte in der Klasse und in der Schule bleiben!!

Und das war für mich der springende Punkt!

Ok, wir werden gemeinsam einen Weg finden, Widerstandskraft erwerben, die Regeln irgendwie mittragen, möglichst wenig mit Lehrkräften auf Kollision gehen, schauen, wer ihm guttut, was ihm guttut, was er für sich tun kann, was er braucht. Und, mit Sicherheit wird es immer wieder auch die Tage geben, an denen er die Schule verflucht, wird es Situationen geben, die ihn schwächen, und dann werden wir schauen, was es braucht, um ihn wiederaufzubauen. Was noch? Sich immer wieder bewusst machen, dass wir als Eltern viel mehr Einfluss haben, als wir denken, dass Schule wirklich nicht alles ist, zu sich und seinen Werten und Überzeugungen stehen, sich nicht instrumentalisieren lassen (weder von Schule noch von Expartnern), dem Kind die Verantwortung für sein Lernen übergeben, es unterstützen, wenn es das will, immer wieder ins Gespräch gehen, das Miteinander schützen und stärken, sich Gleichgesinnte (so wie euch ?) suchen und vertrauen, immer wieder neu. Mein Kind wird von keiner Lehrkraft gebrochen werden, dessen bin ich mir sicher! Eine Lehrerin hat ihn neulich aus lauter Verzweiflung gefragt: „Warum hast du eigentlich so viel Lebensfreude (die meinen Unterricht stört)?!“ „Mama, warum sagt sie sowas, das is doch was Gutes!!“ „Ja, das ist es mein Kind, lass dir von nichts und niemandem jemals deine Lebensfreude nehmen!“
Nie anfangen aufzuhören, nie aufhören anzufangen! Ich freu mich sehr, dass du bis hierher gelesen hast – ich wünsch’ dir alles Liebe, auf deinem Weg!

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