Von Eltern für Eltern

Von Selbstzweifeln, Perfektion und Schule

„Mama, soll ich dir den Anfängermodus einschalten?“, fragte mich neulich unsere sechsjährige Tochter, die vor einer Sekunde flink den Super Mario von Level zu Level hüpfen ließ. Die Geduld und Leichtigkeit in ihrer Stimme kreierten einen magischen Raum und berührten mich so sehr, dass ich mein „unbegabt sein für Computerzeugs“ vergaß und neugierig zusagte. Ach, und welche Neuronenverbindungen funkten wohl in meinem vierzigjährigen Gehirn auf, als ich zwei Sterne von fünf ergattern konnte! Mein ganzes Wesen leuchtete auf, weil ich spielen durfte in einem Raum, der abseits von Vergleich, Bewertung und Benotung war. In einem Raum, in dem sich das Leben so zeigen darf, wie es gerade ist. Und das war für mich als Erwachsene heilsam, weil ich in diesem Raum mein vermeintliches Besserwissen ablegen konnte. Damit meine Hände für Erfahrungen frei werden konnten. Erfahrungen, die meiner Entfaltung dienen.

Ist es zu spät?

So keimten einige Fragen in mir auf: „Kann ich sogar als Mutter davon profitieren, wenn mein Kind seine natürliche Freude am Lernen behält? Ist für mich doch nicht zu spät? Kann ich an etwas anknüpfen, das ich als ureigen und lediglich verschüttet erkenne? Kann ich selbst, schon jetzt, Räume für solche Erfahrungen kreieren? Bin ich mutig genug, mein Kind auf eine Schule zu schicken, die solche Räume pflegt? Was bedeutet es für meine Zukunft, wenn ich die Wunde heile, die der Stempel „ungenügend“ eingebrannt hat? Diese schmerzende Wunde bedecke ich mit Polster „kann ich nicht, noch nie gemacht, also kann ich nicht“. Dazu habe ich eine lähmende Angst, ausgelacht zu werden, wenn ich mich den Themen widme, für die ich mich nicht gut genug fühle. So laufe ich um Felder, die mich sehr interessieren, herum, auf Stelzen, die aus Perfektion geschmiedet sind.

Meine Freude war schneller

Wie in der Geschichte mit dem Computer. Ich war ja fast sechzehn, als ich den ersten PC sah. Damals „wusste“ ich bereits, dass ich für Mathe, Physik und eben sowas unbegabt sei. Ich  glaubte wirklich, eine falsche Tastenkombination könnte eine Explosion an diesem empfindlichen Gerät auslösen. Ich sah schon den Qualm aufsteigen, der den Ort verrät, an dem eine Niete sitzt. So wurde ich sehr zurückhaltend, was Handy, Apps und PayPal angeht. Bis zu jenem Tag, als sich dieser Raum dank unserer Tochter öffnete. Wo meine Freude schneller sein konnte, als die Angst, die wie eine Nacktschnecke alles Frische und Freudige im Garten meines Herzens an- oder gar auffrisst.

Nur eine Person steht dahinter….

Dass es zur dieser Geschichte und vielen weiteren spannenden Wendungen in unserem Leben als Familie kommen konnte, haben die Menschen von der freien aktiven Schule PIEKS und dem Team von Schools of Trust sehr viel zu beigetragen. Unsere Zwillingstöchter werden diese Schule bald besuchen, und wir freuen uns sehr, dass es EINE (!) Person in unserem Umfeld gibt, die dies voller Zustimmung begrüßt. Ich weiß von Familien, die sich ebenfalls für solche Schule entschieden haben, und noch weniger Rückenhalt, nämlich gar keinen, aus ihrer Umgebung erhalten. Für diese Familien möchte ich Brücken der wohlwollenden Zuversicht bauen, bis sie in der neuen Schulgemeinschaft angekommen sind. Mein großer Traum ist, dass wir als Eltern ebenfalls unsere Gaben entfalten und mit ihnen dem Wohl aller dienen. Dass wir dabei gut verdienen und so einen schöneren Morgen und magischen Raum im Heute gemeinsam gestalten.

Dank an die Schulen

Es ist mein erster Blogartikel, er ist sehr persönlich und es ist Dankbarkeit, die mich ihn vollenden lässt. Dankbarkeit, die ich den mutigen Menschen gegenüber empfinde, die freie aktive/ demokratische/ soziokratische Schulen gründen. Menschen, die dort arbeiten und ihre Kinder anmelden. Und den wunderbar genialen Menschen vom SoT-Team, die mich mehrmals mit Soforthilfe versorgt haben, wenn die Selbstzweifel meine Batterie entluden und das Ladekabel verlegten. Danke für jedes Wort und jedes Lachen!

Die Bildungsrevolution hat begonnen! Für uns alle.

Milda ist Mutter zweier Kinder aus der Nähe von Calw und schreibt mit Herz und Seele Blogartikel. Dieser ist ihr erster, auf den noch weitere folgen werden. Also bleibt dran!

3 Kommentare

  1. Liebe Milda
    Das ist so herzberührend, wie du ganz unschuldig von deinen geliebten Töchtern lernst, dich auf diese Räume einlässt und daraus Grösseres kreierst. Dein Sein hinterlässt wertvolle Spuren in der Welt und ich fühle mich beschenkt, dich persönlich kennengelernt zu haben.
    Ich freue mich schon auf weitere Themen die du aufgreifst!
    Herzumarmung zu dir!

  2. Bei mir oder uns fing es mit einem Hinterfragen unser Glaubenssätze und Paradigmen an. Nach Jahren an Schulungen und Videos und Nachdenken wäre wir jetzt bereit die Kinder auf eine Demokratischen Schule zu schicken bzw. wenn wir aus dem Ausland zurückkommen (Spanien) dann auf jeden Fall eine demokratische Schule

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