Von Eltern für Eltern

Ziele in der Erziehung

Dieses Zitat von Laotse bringt es aus meiner Sicht genau auf den Punkt. Nur wer sein Ziel kennt, kann dieses auch erreichen. Doch sind Ziele auch in der Erziehung sinnvoll?

Aus meiner Sicht sind sie sogar notwendig!!!

Ziele haben oftmals etwas Belastendes an sich, viele kennen Ziele hauptsächlich aus der Schule und von ihrem Arbeitsplatz. An diesen Orten sind Ziele mit Stress und Leistungsdruck verbunden, was wir als negativ erleben. Es geht darum, etwas Bestimmtes zu erreichen und dies in einer gewünschten Zeit.

Das klingt aus meiner Sicht auch nach Erziehung, finden Sie nicht?

Viele werden mein Bild von Erziehung nun verneinen und sind sich sicher das ihr Kind keinerlei Ziele zu erreichen hat. Schliesslich geht es hier ja um ihr Allerliebstes und für dieses wollen wir nur das Beste. Ziele und Leistungsdruck gehören hier nicht dazu.

Es freut mich, wenn Sie so denken und doch möchte ich das nicht so ruhen lassen.

Immer wieder beobachte ich Eltern und auch mich selbst, wie Kinder miteinander verglichen werden. Sie haben keine Ziele definiert, doch auch sie haben klare Vorstellungen, wie eine gute Zukunft aussieht oder welcher Weg der Beste für das Kind ist. Als Eltern nennen wir das nicht Ziele, sondern «das Beste für mein Kind». Wir meinen zu wissen, was gut ist für unser Kind ist und welchen Weg es gehen sollte. Haben diese Vorstellungen und Wünsche nicht doch etwas mit Zielen zu tun? Wenn sie auch schon in der Lage gewesen sind und irgendwo etwas «erstrebenswertes» gesehen haben, ertappten sie sich vielleicht auch dabei, plötzlich etwas zu verändern. Man wird strenger oder investiert mehr Zeit, was vorher nicht denkbar war. Egal was sie verändern, sie möchten damit ein Ziel erreichen. Unbewusst haben Sie sich im Moment, als sie das «erstrebenswerte» entdeckt haben, ein Ziel gesetzt:

«Das will ich auch!!!»

Sobald sie wissen was sie wollen, sind sie bereit für Veränderungen und vieles wird versucht um das Ziel zu erreichen. Gelingt dies, so werden sie entspannt und zufrieden sein – welch wunderschönes Gefühl.

Weshalb überlassen wir also dieses schöne, befreiende Gefühl in der Erziehung dem Zufall und beschränken es auf unsere Arbeit? Das muss nicht sein!!! Entlasten wir die Erziehung und fokussieren wir uns auf unsere Ziele, damit man in anderen Bereichen auch mal ein Auge zudrücken kann.

Überlegen Sie sich in einer ruhigen Minute, was ihre Ziele sind. Nennen sie diese Ziele ruhig Wünsche oder gehen Sie den Gedankengang «was ist das Beste für mein Kind», um diesem Vorhaben gegenüber positiv eingestellt zu sein. Ich bezeichne das nun gewählte Ziel gerne als Kompassziel, weil es mir die Richtung anzeigt. Doch wie weiter? Ich empfehle folgendes Vorgehen:

      1. Kompassziel setzen

Was möchte ich? Was ist mir wirklich wichtig?

       2. Zeitraum bestimmen

Muss das Ziel bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht werden?

       3. Ersten Schritt planen

Welche Veränderung benötigt mein Ziel?

Was muss ich für mein Ziel tun?

        4.Schritt überprüfen

Bin ich meinem Ziel näher gekommen?

Ist der eingeschlagene Weg der Richtige?

         5. Nächste Schritte planen

Wie geht es weiter?

Kann ich auf dem Weg bleiben?

Benötigt es Anpassungen?

          6. Schritte überprüfen

Jeder Schritt sollte überprüft werden.

          7. Zielerreichung geniessen

Gratulation!!!

Wurde das Ziel erreicht, so soll das auch genossen werden.

           8. Reflexion

Bin ich nun zufrieden?

Wie war der Weg zum Ziel für mein Kind und für mich?

Will ich so weitermachen?

Ist mein Ziel wirklich das Richtige?

Mir geht es bei diesem ganzen Thema weniger um die Zielerreichung, sondern mehr um bewusste Erziehung, weshalb mir der Schritt 8 sehr wichtig ist. Viele Eltern müssen zuerst ein eigenes Ziel erreichen, um zu merken wie es dem Kind dabei geht. Dieser Weg kann positiv verlaufen und sollte das so sein, haben alle gewonnen. Wenn es jemandem auf diesem Weg nicht gut ergeht, ist das Ziel oder die Richtung in Frage zu stellen. Ich weiss das Erziehung etwas anspruchsvolles ist und wir uns dabei auch mit uns selbst beschäftigen müssen. Betrachten Sie die gesetzten Ziele und überlegen Sie sich, was das mit Ihnen selbst zu tun hat. Sie werden viel über sich selbst lernen.

Michael Berger ist Autor eines Blogs und der Website gezielt-lernen.ch, welche sich um Lernen in diverser Form dreht. Er bietet Tipps und Lösungen, um das Lernen (wieder) zu einer spaßigen und wertvollen Aktivität zu machen.

4 Kommentare

  1. Mein seit kurzem 17jähriger Sohn hat mir letztens ziemlich aggressiv und genervt gesagt, als ich ihm erzählte, dass ich das Freilernen toll finde, ob ich ihm denn hätte Einsteins Relativitätstheorie und andere schwierige Sachverhalte erklären können und dass er sehr froh ist, dass ich diese Idee nicht hatte, als er noch jünger war.

    1. Hallo liebe Katrin, was soll ich sagen? Wenn er zufrieden ist mit der Schule, dann ist das doch toll! Nicht jedes Kind in jedem Alter ist begeistert von der Idee, zuhause unterrichtet zu werden 🙂
      Liebe Grüße
      Jonas für das SoT Team

  2. Ich bin wirklich erschrocken über diesen Post auf dieser Seite. Kinder zu seinem persönlichen Projekt mit willkürlichen Zielen zu machen ist gemein, herabwürdigend, respektlos. Meine Eltern hatten als Ziel, dass ich erfolgreich, angesehen und höflich werde. Ein Arzt, Ingenieur, Anwalt oder sowas. Mit vielen Freunden und viel Kontakt zur Familie. Was ich wollte war nicht so wichtig. Natürlich wollten sie das Beste für mich. Es klingt ja auch nach wirklich netten Zielen. Aber Eltern wissen nicht, was das Beste für ihre Kinder ist. Die meisten Eltern wissen nichtmal was gut für sie selbst ist. Stell dir deinen Text doch mal nicht im Kontext mit Kindern vor, sondern stell dir vor ein Mann würde hier über Ehefrauen schreiben. “Wie erziehe ich meine Frau, wie definiere ich Ziele und erreiche diese für meine Frau?” Auch wenn du es nett meinst und nett formulierst, man soll ja “sogar” schauen wie es dem Kind damit geht, ist es doch absurd wenn man es sich im Kontext der Partnerschaft ansieht. Ein Mann beschließt, die Frau ist zu schüchtern, hat wenig Selbstwertgefühl. Also macht er sich zum Ziel sie zu erziehen, damit sie offener wird, mutiger, lauter und durchsetzungsfähiger. Theoretisch ein nettes Ziel, praktisch heißt es: Sie ist nicht gut so wie sie ist. Und er meint er hat das Recht sie zu verändern. Genauso ist es bei Kindern. Das schädigt die Beziehung.

    Ich würde dir empfehlen dich mal mit dem Thema “unerzogen”/Nicht-Erziehung/Anti-Pädagogik auseinanderzusetzen. Erziehung ist gemein und diskriminierend. Man macht Kinder zum Objekt und “zieht” an ihnen, bis sie das machen, was man will. Und ja, auch nett gemeinte Ziele wie “mein Kind soll erfolgreich und selbstbewusst und glücklich werden” sind gemein, weil sie Druck aufbauen. Weil sie nicht erlauben, das Kind anzunehmen wie es ist, in Beziehung zum Kind zu sein, wenn es mal nicht den Erwartungen entspricht. Gerade jemand der an freien Schulen arbeitet, sollte sich diese Haltung mal genauer anschauen! Es ist ein wahrer Augenöffner, aber nichts was man an einem Tag verstanden hat. Ich empfehle den Blog/Ig-Account “Der Kompass” und mini-and-me. Auch André Stern spricht viel darüber.

    1. Hallo Sara, danke für deinen kritischen Kommentar! Ich denke, Michael geht es nicht darum, die Kinder nach dem eigenen Gutdünken zu formen, wenn die Kinder es nicht wollen. Viel mehr betont er, dass es um den Weg geht, nicht um das Ziel. Wir alle haben Vorstellungen davon, wie unser Kind sein soll, oder was gut und was böse ist. Der Unterschied ist nur, dass er den Leser dazu auffordert, sich dieser Gedanken bewusst zu werden. Das alles soll “Erziehung” bewusster gestalten.
      Zu dem Wort Erziehung: ich finde es auch ein wenig unglücklich. Begleitung finde ich aber auch nicht passend. Denn wir beeinflussen mit unserem Sein unsere Kinder ganz massiv. Wir können unseren Einfluß gar nicht abstellen, das wäre auch nicht gut. Denn wie soll ein neuer Mensch auf dieser Erde etwas lernen, wenn er keine Impulse von außen bekommt? Der Unterschied ist wie gesagt, ob wir uns dessen bewusst sind, oder nicht. Denn nur dann können wir es verändern und Bedürfnissen anpassen. Und dann ist es auch egal, ob wir es Erziehung oder sonstwie nennen.

      Das alles ist meine persönliche Meinung. Wenn du direkt an den Autor, Michael Berger, schreiben willst, ist hier seine Mail: mail@gezielt-lernen.ch

      Liebe Grüße
      Jonas für das SoT Team

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